Kataloge im Eigenverlag
erschienen in: Junge_Kunst - Juni 2007
Text: Astrid Kehsler, Mainz
Der Digitaldruck hat die Präsentationsmöglichkeiten für Künstler revolutioniert und den Katalog im Eigenverlag finanzierbar gemacht. Statt hoher Auflagen im Offsetdruck können heute selbst einzelne Exemplare preiswert produziert werden. Günstigste Lösung sind die so genannten Fotohefte. Die meisten Anbieter, die als Online-Druckereien im Internet zu finden sind, stellen die nötige Software für Layout und Bildbearbeitung kostenlos zur Verfügung. Musterseiten erleichtern den Einstieg in die Gestaltung, sodass schnell Ergebnisse vorliegen, zumal die Produktionszeiten zum Teil unter einer Woche liegen.
Unter den Anbietern von Fotoheften gilt die Pixelspeed Network GmbH in Herford als Insider-Tipp. Gute Druckqualität, Schnelligkeit und die Konditionen sprechen für das ostwestfälische Unternehmen. Seit Frühjahr gibt es eine gewerbliche Preisliste, von der auch Künstler und Fotografen profitieren. Ein Preisbeispiel: Ein 8-seitiges Katalogheft plus Umschlag, durchgehend vierfarbig im Format 20,5 x 20,5 cm, kostet als Einzelexemplar 5,50 Euro zzgl. 2,90 Euro Versand. Ab zehn Exemplaren sinkt der Stückpreis auf 4,50 Euro.
Seit über einem Jahr lässt der niederländische Künstler Hans van der Weijden seine Kataloge in Herford drucken. In zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr stellt er immer neue Serien vor und produziert dazu jeweils ein eigenes Fotoheft. „Das macht einen professionellen Eindruck, und ich kann immer aktuelle Werke abbilden“, nennt van der Weijden als Vorteile des Printing-on-Demand. Mit Text geht er äußerst sparsam um, meist reduziert auf den Titel der Arbeiten. „Ich finde, die Kunstwerke sollen für sich sprechen“, meint er. Zur Unterstützung der Ausstellungen gibt er seine Kataloge kostenlos an Käufer, Galeristen und besonders interessierte Kunstfreunde weiter. „Es hat sich bisher bestimmt gerechnet“, meint er mit Blick auf die positive Resonanz und rät gleichzeitig, nicht zu viele Kataloge herauszugeben: „Sie sollten exklusiv bleiben.“
Wer die Katalogproduktion mit Online-Druckereien testen möchte, muss keine große Investition tätigen. Für die Software sollten maximal die eigenen Onlinegebühren für das Herunterladen anfallen. Die fertig gestaltete Datei kann in der Regel online übertragen oder als CD-ROM an die Druckerei geschickt werden – ohne Flatrate fallen die Kosten für das Upload bzw. für eine CD-ROM, einen Umschlag und das Porto an. Alles in allem reichen rund zehn Euro für den Start. Die größte Hürde aber sind gute Fotos der eigenen Werke, möglichst digital und in druckfähiger Auflösung, sowie ein Computer der Internetgeneration.
e als Künstlerin keinen Nachteil. In Photoshop gestaltet sie ihre Kataloge völlig frei und muss lediglich die vorgegebenen Formate einhalten. Auch sie hat sich für das Quadrat (20,5 x 20,5 cm) entschieden, weil es zu ihren Arbeiten passt. Größere Auflagen ordert sie nicht: Sonja Heller produziert gebundene Katalogbände mit Umfängen von 40 Seiten als Einzelstücke. Jedes Jahr dokumentiert sie ihr Schaffen in einem Band, der Preis liegt bei 33,95 Euro. So flexibel wie ihre Kollegen ist sie damit nicht, doch als Auslage in Ausstellungen und als Archiv sind die Fotobücher auch für sie ein optimales Medium.
DIE RECHTE WAHREN UND URHEBER NENNEN
Es ist verführerisch, für einen schnell produzierten Katalog die erst besten Bilder zu verwenden. Für das eigene Archiv ist das kein Problem, doch sobald Exemplare an Käufer, zu Bewerbungen oder für die Pressearbeit weitergegeben werden, müssen die Rechte an den verwendeten Texten und Fotos geklärt sein.Wer selbst seine Kunstwerke fotografiert und die Informationen formuliert, ist meist auf der sicheren Seite. Werden Menschen – etwa einzelne Ausstellungsbesucher –abgebildet, die mehr als ein nebensächliches Beiwerk sind, ist deren Persönlichkeitsrecht zu achten. Sie sollten vor dem Druck ihr Einverständnis geben. Auch die Rechte für Abbildungen sollten frühzeitig geregelt werden, wenn fremde Fotos verwendet werden.
Grundsätzlich gehört zu einem professionellen Druckwerk ein Impressum. Viele Künstler beschränken sich auf die Angabe ihrer Kontaktdaten, manche geben nur ihre Webadresse bekannt. Erscheint der Katalog zu einer Ausstellung, so sollten Titel, Ort und Laufzeit sowie weitere Stationen verzeichnet werden. Sinnvoll sind auch das Erscheinungsjahr und ein Copyright-Vermerk für den Künstler und ggf. für den Fotografen der Werke – zum Beispiel © Name des Künstlern, 2007, Fotos: © Name des Fotografen, 2007. Ein Fotograf hat übrigens ein gesetzlich festgeschriebenes Recht darauf genannt zu werden.
Bei der Gestaltung üben viele Künstler Zurückhaltung.Wenig Text und ausreichend Freiraum um die Fotos – das hat auch den Vorteil, dass man die redaktionelle Arbeit auf ein Minimum reduzieren kann. Es genügt, die Abbildungen mit Werktitel, Format, Technik und Entstehungsjahr zu erläutern. Die in den Musterseiten der Layoutprogramme vorgesehenen Textfelder für Bildunterzeilen sind dazu allerdings oft zu knapp bemessen. Daher arbeitet der Künstler Mirko Stefan Elfert mit einem einfachen Verfahren: Er nummeriert die Werke. So kann er die Werkdaten in einem anderen Textfeld problemlos platzieren. „Die Nummerierung hat zwei weitere Vorteile: Bei einem späteren Telefonat ist es leicht, sich über ein einzelnes Werk zu verständigen. Außerdem kann ich entscheiden, ob ich dem Katalog eine Preisliste beilege, bei der die Nummerierung einen klaren Bezug zu den Abbildungen schafft.“ Die Liste druckt er auf Zeichen-Pergamentpapier mit einer Grammatur von 200 g/qm und schneidet sie passend auf das quadratische Format seines Katalogs.
PROFESSIONELL UND AKTUELL
Auch Elfert hat sich für Pixelspeed entschieden und produziert dort seit fast zwei Jahren. Vor allem für Bewerbungen nutzt er die Fotohefte im Format 20,5 x 20,5 cm. „Sie fallen auf, sehen hochwertig aus und haben einen hohen Wiedererkennungswert.“ Damit hebt er sich deutlich von Präsentationsmappen mit einzelnen Fotos oder selbst erstellten Ausdrucken ab. „Ich zeige mit den Katalogen: Die Sache ist mir etwas wert.“
Für Hans van der Weijden und Mirko Stefan Elfert ist das Angebot aus Ostwestfalen fast perfekt – lediglich die Pixelspeed-Webadresse über dem Barcode auf der Rückseite stört die beiden. „Den Barcode benötigen wir für unseren Produktionsablauf“, erläutert Geschäftsführer Gerd Düsdieker. Für den Schriftzug hat sich das Unternehmen eine Lösung einfallen lassen. Künstler und Fotografen können ihn gegen eine eigene kurze Textzeile – etwa ihre Webadresse – austauschen lassen. „Das bedeutet für uns dauerhaft einen gewissen Aufwand“, ergänzt Düsdieker. „Daher können wir diese Option ausschließlich unseren gewerblichen Kunden und nur gegen eine einmalige Gebühr von 100 Euro anbieten.“ Als Ausgleich wird es einen Produktionsgutschein von mindestens 25 Euro geben. Mirco Stefan Elfert freut sich auf die Neuerung. „Das macht das Ganze zu einer runden Sache.“
Die meisten Angebote von Online-Druckereien mit eigener Software sind für die Künstlerin Sonja Heller kein Thema. Denn sie arbeitet nicht mit PC, sondern am Mac und stellt fest, dass es für dieses System kaum Angebote gibt. Heute könnte sie ebenfalls über den neuen pdf-Service bei Pixelspeed bestellen, doch als sie ihre ersten Bildbände drucken ließ, wurde sie nur bei Pixopolis fündig, wo man sich sehr früh auf Mac-Anforderungen eingestellt hat. Die Standard-Software der Online-Druckerei kann sie zwar nicht nutzen, doch darin sieht sie als Künstlerin keinen Nachteil. In Photoshop gestaltet sie ihre Kataloge völlig frei und muss lediglich die vorgegebenen Formate einhalten. Auch sie hat sich für das Quadrat (20,5 x 20,5 cm) entschieden, weil es zu ihren Arbeiten passt. Größere Auflagen ordert sie nicht: Sonja Heller produziert gebundene Katalogbände mit Umfängen von 40 Seiten als Einzelstücke. Jedes Jahr dokumentiert sie ihr Schaffen in einem Band, der Preis liegt bei 33,95 Euro. So flexibel wie ihre Kollegen ist sie damit nicht, doch als Auslage in Ausstellungen und als Archiv sind die Fotobücher auch für sie ein optimales Medium
Astrid Kehsler
Freie Autorin und Konzeptionerin mit Schwerpunkt Professionalisierung im Kunstmarkt.
AUSKUNFT:
www.mirko-stefan-elfert.de
www.sonjaheller.de
www.pixelspeed.com
Die Angebote der Online-Druckereien werden in kurzen Zyklen überarbeitet. Für die aktuelle Recherche lohnt es sich, die Begriffe Fotobuch und Fotoheft einzeln über Suchmaschinen abzufragen.
Katalog zur Werkserie „Fontana“, 2006, von Hans van der Weijden, gedruckt bei Pixelspeed. Foto: Bernd Brinkmann